Seit Ende Oktober 2008 entwickelten
sich Schwellenländeraktien weltweit besser als die Aktien der
Industrienationen, und Lateinamerika folgte dem breiten Trend des Emerging
Market Universums. Besonders interessant scheint der Brasilianische Markt zu
sein, meint GEM-Aktienstratege von Maarten-Jan Bakkum aus dem Haus ING IM.
Stabile Wirstschaft und steigende
Rohstoffpreise
Von allen Schwellenländern reagiert
Brasilien am stärksten auf Schwankungen der Rohstoffpreise. Berücksichtigt man,
dass Energie und Rohstoffe 55 Prozent des Aktienmarktes ausmachen, sind die überdurchschnittlichen
Kurseinbrüche in der zweiten Jahreshälfte 2008 leicht verständlich. Nachdem
sich die Rohstoffpreise seit Ende vergangenen Jahres erholten, ist der
brasilianische Markt 2009 wieder attraktiver geworden. Doch selbstverständlich
spricht noch weit mehr für ein Engagement in diesem Land. Die Binnennachfrage
Brasiliens ist höher als in den meisten anderen Schwellenländern, weil der
Arbeitsmarkt weniger stark vom Welthandel abhängt. So ist die Arbeitslosigkeit
seit Beginn der Krise zwar gestiegen, doch die jüngsten Arbeitsmarktdaten
stellen bereits wieder eine Erholung in Aussicht. Zwischen März und April
wurden netto 140.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, während die Beschäftigungsquoten
in den meisten anderen Schwellenländern noch sinken.
Gleichzeitig stiegen auch die Reallöhne
weiter, im März um drei Prozent. Und dank des gesunden brasilianischen
Bankensystems, dessen Wachstum in den vergangenen fünf Jahren zudem auf
niedrigem Niveau startete, liegt das Kreditwachstum nach wie vor bei über 25
Prozent. Die Kombination aus kräftigem Kreditwachstum und dem Anstieg von Beschäftigung
und Löhnen ließ den Konsum auch während der Krise weiter steigen. Angesichts
der sinkenden Zinsen und der in letzter Zeit günstigeren Arbeitsmarktdaten
sollte der brasilianische Verbrauch seinen positiven Trend beibehalten.
Kurs- und Währungsgewinne möglich
Die Devisenreserven Brasiliens sind
seit September 2008, als der Brasilianische Real (BRL) stark unter Druck
geriet, lediglich um 10 Prozent gesunken. Brasilien hat gut daran getan, seine
Währung anders als verschiedene andere Schwellenländer dem externen Druck
auszusetzen. Da kein nennenswertes wirtschaftliches Ungleichgewicht besteht,
sind hohe Kapitalabflüsse während der Krise wohl vermeidbar. Daneben sprechen
auch der hohe Zinsvorsprung und das relativ geringe Länderrisiko für weitere
Mittelzuflüsse nach Brasilien. So machte der BRL in den letzten Monaten bereits
wieder die Hälfte seiner Verluste wett, wodurch Aktienanleger einen direkten
und einen indirekten Vorteil erlangen: Direkt profitieren sie von den
Devisengewinnen, und die deflationäre Wirkung der stärkeren Währung ist
mindestens ebenso interessant.
Trotz des Konjunkturabschwungs
verharrte die brasilianische Inflation über dem Zentralbankziel von 4,5
Prozent. Mit dem Erstarken des BRL sollte die Inflation nun sinken, wodurch die
Zentralbank größeren Spielraum für Zinssenkungen gewinnt. Das verbessert auch
die Aussichten für das Wirtschaftswachstum und erhöht die Wahrscheinlichkeit,
dass mehr brasilianische Anlagegelder in brasilianische Aktien fließen, wenn
die Anleihenmärkte an Attraktivität verlieren. Die erwarteten Mittelzuflüsse in
brasilianische Aktien, das robuste Wachstum der Binnennachfrage und die
Erholung der Rohstoffpreise machen Brasilien zu einem der bevorzugten Märkte
weltweit.
In der soeben veröffentlichten 2009er Ausgabe des "Wealth Reports" von Citi Private Bank und Knight Frank, für den weltweit 2000 Berater der reichsten Kunden der Citi Private Bank befragt wurden, findet sich ein interessantes Ergebnis: 54,4 % der HNWIs wollen Ihre Anlagen in Wohnimmobilien (die traditionell bei diesen Personen eine große Rolle spielen) in den nächsten zwei Jahren verstärken. Aber auch Gewerbeimmobilien erfreuen sich eines verstärkten Zuspruchs der HNWIs, die sich im vergangenen Jahr massiv von Aktien- und Hedgefonds getrennt und hohe Cashbestände aufgebaut haben.
Die IMMOBILIEN ZEITUNG berichtet
am 19.3. über die stark steigende Nachfrage von Versicherungen, Pensionskassen,
Versorgungswerken und anderen Institutionellen nach Immobilien. „Zurzeit ist
die Nachfrage von Versicherungen und Pensionskassen noch größer als Anfang 2008“,
so wird Fabian Klein von CB Richard Ellis zitiert. „Das will was heißen, denn
bereits im vergangenen Jahr hatten die Assekuranzen erheblich mehr Geld in
Immobilien gesteckt als 2007.“ Während der Anteil von Versicherungen,
Pensionskassen und Versorgungswerken am gesamten deutschen
Immobilien-Transaktionsmarkt im Jahr 2007 erst bei etwa einem Prozent lag,
hatte sich dieser Anteil 2008 auf sieben Prozent versiebenfacht. Dieser Anteil
werde laut CB Richard Ellis im Jahr 2009 mit Sicherheit überschritten. Laut
Invesco stießen viele Assekuranzen direkt gehaltene Gebäude ab, um Wertzuwächse
mitzunehmen. „Zugleich seien viele Planstellen in den Abteilungen für die
direkt gehaltenen Immobilien gestrichen worden. Folglich interessiere sich das
Gros der Versicherer nun für indirekte Anlagen, die nicht so viel eigenes
Personal binden.“
Zu diesem Thema finden zwei Veranstaltungen
statt: Am 31.3. geht es um die Immobilienstrategien von Stiftungen und
Versorgungswerken, am 12.5. wird das Thema Immobilien-Spezialfonds behandelt.
Bestellen Sie die Programme der beiden Veranstaltungen unter info@immobilienrunde.de.
Peking reagiert auf den schwachen Dollar und
löst sich von der Rolle als größter Gläubiger der USA. Stattdessen wird jetzt
die heimische Wirtschaft gestärkt.
Sie greift zum Äußersten. Die amerikanische Notenbank
Fed verkündete am Mittwochabend, nun auch US-Staatsanleihen im Wert von 300
Milliarden Dollar aufkaufen zu wollen. Damit nimmt der Staat USA ab sofort de
facto bei sich selbst Kredit auf. Und das heißt nichts anderes, als dass er
Geld druckt - keine gute Nachricht für alle, denen er Geld schuldet.
Der größte Gläubiger jedoch sitzt nicht in New
York, Chicago oder Los Angeles. Er residiert in Peking. Der chinesische Staat
hält allein US-Staatsanleihen für rund 700 Milliarden Dollar, die gesamten
Devisenreserven belaufen sich auf knapp zwei Billionen Dollar. Und China ist
wahrlich nicht erfreut über den jüngsten Schritt der Fed. Die Entscheidung
dürfte daher dazu führen, dass es seine Wirtschaft noch schneller umbaut und
die eigene Währung stärkt. Am Ende dürfte China dadurch stärker dastehen und
damit einer der großen Gewinner dieser Finanzkrise sein.
"Auf den ersten Blick ist der Aufkauf von
US-Staatspapieren für China positiv", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der
Deka. "Die Papiere reagierten mit Kursgewinnen, die chinesische Notenbank
muss damit keine Abschreibungen vornehmen." Das ist jedoch nur die eine
Seite der Medaille. Andererseits wird der Dollar durch das Anwerfen der
Notenpresse an Wert verlieren. Schon unmittelbar nach der Ankündigung von Ben
Bernanke stieg der Eurokurs in wenigen Minuten von 1,30 auf 1,35 Dollar.
Der Wechselkurs der chinesischen Währung kann
zwar nur in einem engen Band zum Dollar schwanken. Wenn die US-Währung jedoch
längerfristig schwächelt, wird sich auch der Aufwertungsdruck auf den Yuan
erhöhen. Die Dollarguthaben würden damit an Wert verlieren - und genau das ist
es, was China immer verhindern wollte. Noch wenige Tage vor der Fed-Sitzung
warnte Chinas Premier Wen Jiabao sogar erstmals öffentlich. "Natürlich
machen wir uns Gedanken um die Sicherheit unserer Anlagen", sagte er.
"Um ehrlich zu sein, ich bin etwas besorgt."
Solch offene Worte sind ungewöhnlich. Bisher
agierte China lieber im Hinterzimmer, beispielsweise im vergangenen Jahr, als
die US-Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac vor der Pleite standen.
Damals hatte Peking Ex-Präsident George W. Bush mehr oder weniger sanft zu
deren Rettung gedrängt. Denn China besitzt im großen Stil Papiere dieser
Institute. Dabei soll auch explizit darauf verwiesen worden sein, dass man
andernfalls eben Staatspapiere im großen Stil verkaufen müsse.
Das Reich der Mitte hat durch seine Stellung als
größter Gläubiger der USA natürlich eine gewisse Macht. Wirklich froh geworden
ist das Land mit diesem Geld allerdings nicht. Lange Zeit lag es nur niedrig
verzinst herum. Vor rund drei Jahren wurde jedoch die China Investment
Corporation (CIC) gegründet. Sie soll die Reserven gewinnbringender anlegen.
Bislang war allerdings der Erfolg eher gering: Eines der ersten Investments war
die Private-Equity-Gesellschaft Blackstone, an der die CIC knapp zehn Prozent
übernahm. Seither ist der Wert der Aktien um fast 90 Prozent gefallen. Auch
eine zehnprozentige Beteiligung an der Investmentbank Morgan Stanley war eine
grandiose Fehlinvestition.
In den vergangenen Monaten jedoch setzte China
sein Geld ein, um sich Zugang zu Rohstoffen zu sichern. Erst im Februar
kündigte der Aluminiumproduzent Chinalco an, seine Beteiligung am
australisch-britischen Bergbaukonzern Rio Tinto auszubauen. Der chinesische
Metallhändler Minmetals kaufte seinerseits den zweitgrößten Zinkproduzenten der
Welt, Oz Minerals, und die Regierungen Chinas und Russlands schlossen einen
Liefervertrag für russisches Öl. Laufzeit: 20 Jahre. Im Gegenzug öffnet China
seine Schatulle und gibt Kredite an den Ölkonzern Rosneft und den
Pipelinebetreiber Transneft.
Doch die Einkaufstour kann nicht endlos
fortgesetzt werden. Und wenn nun die Dollarbestände an Wert verlieren, erhöht
sich der Druck auf China zusätzlich, seine Strategie zu ändern. "Es gibt
in China derzeit einen Diskurs darüber, wie sinnvoll das Wachstumsmodell der
vergangenen Jahre war", sagt Christian Hofmann, der in Peking lebt und von
dort aus den FIVV-China-Fonds managt. Denn das Modell lautete: Die USA
verschulden sich und kaufen damit chinesische Produkte ein. China gibt den
Amerikanern im Gegenzug Kredit.
"Eine große Volkswirtschaft wie China kann
jedoch nicht dauerhaft eine solch hohe Exportquote haben", sagt Carsten
Herrmann-Pillath, Sinologe und Professor für Business Economics an der
Frankfurt School of Finance & Management. Die Regierung plant daher eine
Neuausrichtung der chinesischen Wirtschaft, weg vom Export, hin zum
Binnenkonsum.
Dazu soll ein Gesundheitswesen aufgebaut werden,
das für alle Bürger zugänglich ist, und auch das Bildungswesen soll offener
werden - bislang kann nur studieren, wer genug Geld hat. Langfristig wird China
damit mehr Menschen zu besserer Bildung verhelfen und damit auch den Anschluss
bei Forschung und Innovation finden. Vor allem aber soll die Nachfrage auf dem
Land und damit der Binnenkonsum gestärkt werden. "Hier gibt es große
Potenziale" sagt Herrmann-Pillath. "Denn der ländliche Raum wurde in
den vergangenen Jahren stark vernachlässigt."
Beispielsweise kamen Bauern bisher kaum an
Kredite. Diese sind jedoch notwendig, um die Produktivität zu steigern. Nun
hält der Staat die Banken jedoch ausdrücklich an, vermehrt Kredite zu vergeben.
Dies tun die Geldinstitute auch bereits. In den ersten beiden Monaten dieses
Jahres vergaben die staatlichen Banken Kredite in Höhe von 2,7 Billionen Yuan,
rund 290 Milliarden Euro - das ist rund die Hälfte dessen, was eigentlich für
das ganze Jahr vorgesehen war. Und vor einer Woche hatte Peking angekündigt, in
China das Produkt des Konsumentenkredits einführen zu wollen. Dies dürfte die
Bankenindustrie weiter stärken. Sie hat jedoch ohnehin schon die weltweite
Führung übernommen, zumindest was den Marktwert angeht. Unter den zehn größten
Banken der Welt befinden sich schon heute fünf chinesische, die ersten drei
Plätze teilen sie unter sich auf.
Christian Hofmann glaubt, dass auch Chinas
Gesundheitsindustrie zu den Gewinnern der Konzentration auf den Binnenmarkt
gehören wird, ebenso wie Telekom- und Internetanbieter sowie die Konsumindustrie
insgesamt. Und die Regierung wird darauf achten, dass vor allem heimische
Firmen davon profitieren. Dies machte sie in der vergangenen Woche schon klar,
als sie Coca-Cola die Übernahme des größten Saftherstellers verbot. Die Gewinne
sollen im Land bleiben.
All dies wird Chinas Wirtschaft stärken. Am Ende
dürfte der Binnenkonsum deutlich wichtiger sein als die Exportindustrie. Damit
würden die Dollarüberschüsse sinken, China müsste sein Geld nicht länger in
US-Staatsanleihen anlegen. Doch auch diese Aussicht reicht der Regierung nicht.
Sie will zusätzlich die eigene Währung stärken. Dazu erlaubt sie in einem
Pilotprojekt Unternehmen des Jangtse-Deltas, ihre Geschäfte mit Hongkong in
chinesischen Yuan statt in US-Dollar abzuwickeln. Wenn der Versuch erfolgreich
ist - und es gibt kaum Gründe daran zu zweifeln -, sollen auch alle anderen
Unternehmen diese Möglichkeit erhalten.
Damit würde Chinas Währung im internationalen
Handel an Gewicht gewinnen. "Es wird sicher Jahre dauern bis sie den
US-Dollar komplett als die Handelswährung für Im- und Exporte ablöst",
sagt Qu Hongbin von HSBC. Sie glaubt jedoch, dass noch vor dem Jahr 2020 die
chinesische Währung eine international akzeptierte Währung sein wird. Und
möglicherweise werden dann andere Staaten Devisenreserven in Yuan aufbauen.